Freihandelsabkommen mit USA – Blackbox für Unternehmen

DSAG fordert mehr Transparenz über konkrete Auswirkungen

Das Freihandelsabkommen zwischen USA und EU (TTIP) wird als wichtiges Thema wahrgenommen. Das zeigt zumindest eine Umfrage unter 500 Lesern der Süddeutschen Zeitung. Laut Umfrage sind 70 Prozent der Meinung, TTIP sollte weiter öffentlich diskutiert werden. Oder müsste es besser heißen: endlich öffentlich diskutiert? „Niemand weiß so richtig, was durch das Abkommen auf die Unternehmen in Deutschland zukommt“, meint Dr. Marco Lenck, Vorstandsvorsitzender der DSAG. „Es fehlt schlichtweg die Transparenz über verhandelte Themen und angestrebte Ergebnisse“. Ob das transatlantische Freihandelsabkommen nun Fluch oder Segen für die Mitgliedsfirmen der DSAG bedeutet, vermag Lenck der vielen Verhandlungsrunden amerikanischer und europäischer Delegationen zum Trotz nicht deuten. Aber eines verspricht er seinen 50.000 Mitgliedern: „Wir beobachten die Entwicklung sehr genau. Ein Abkommen dieser Größenordnung beeinflusst natürlich viele Geschäftsprozesse und wirkt sich somit auch auf die IT-Landschaft der Unternehmen aus.

Warum polarisiert das Thema TTIP so?
Lenck: Das transatlantische Freihandelsabkommen könnte das größte Abkommen seiner Art werden. Die Unternehmen in Deutschland verfolgen die Entwicklung mit Spannung, soll es doch für mehr Klarheit und Rechtssicherheit im Geschäftsverkehr mit den USA sorgen. Leider überwiegen derzeit die Schwarzmaler und das sorgt dann natürlich für Unsicherheit.

Warum informieren sich die Unternehmen dann nicht besser über die Vorteile des Abkommens?
Lenck: Niemand weiß so richtig, was durch das Abkommen auf die Unternehmen in Deutschland zukommt. Es fehlt schlichtweg die Transparenz über verhandelte Themen und angestrebte Ergebnisse. Auch die Konsultationsrunden nach jedem Verhandlungsgespräch lassen an Klarheit zu wünschen übrig. Natürlich sind die Gespräche der Verhandlungen vertraulich, aber es wäre doch schon von Interesse, was für uns als Unternehmen verhandelt wird. Derzeit ist das Ganze noch eine Blackbox.

Warum ist das Freihandelsabkommen eigentlich für Sie als SAP-Anwendergruppe so relevant?

Lenck: Wir beobachten die Entwicklung sehr genau. Ein Abkommen dieser Größenordnung beeinflusst natürlich viele Geschäftsprozesse. Das heißt, sollten die Freihandelsbeziehungen zwischen Europa und USA in dieser Form zu Stande kommen, werden auch die IT-Systeme betroffen sein. Technische Standards müssen dann ausgerichtet werden. Unsere Aufgabe als DSAG ist es, das voranzutreiben und weltweite Standards stärker einzufordern.

Wo sehen Sie Chancen für Unternehmen, von dem Freihandelsabkommen zu profitieren?
Lenck: Unser Fokus liegt darauf, die Komplexität von Abläufen zu reduzieren. Das Handelsabkommen erlaubt es Unternehmen, Standards über Grenzen hinweg zu vereinfachen. Natürlich wird es erst einmal eine Herausforderung, diese Standards zu schaffen. Vor allem aber der Mittelstand wird profitieren, da sich Prozesse vereinfachen und Kosten senken lassen.

Dr. Marco Lenck ist Vorstandsvorsitzender der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) e.V. Die Wichtigkeit von internationalen Standards vor allem im Zusammenhang mit globalen IT-Vernetzungen erfährt er als Vice President IT tagtäglich bei der Rhein Chemie Rheinau GmbH in Mannheim. Durch seine langjährige Erfahrung als Vermittler zwischen den Fachbereichen und der IT kennt er die Entscheidungsprozesse in den Unternehmen genau.

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