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Social Media: Google+ im B2B

Ein Muss für die Kommunikation?

Kaum könnten die Expertenmeinungen zur neuen Social-Media-Plattform des Suchmaschinengiganten Google stärker differieren: Die einen prophezeien Google+ eine enorm hohe Relevanz – gerade im Business-Bereich, die anderen haben es bereits abgeschrieben.

88 Tage nach dem Startschuss 40 Millionen registrierte Anwender – mit diesen Zahlen avancierte Google+ zum schnellstwachsenden Repräsentanten seiner Art. Dennoch halten viele Kommunikationsexperten das neue soziale Netzwerk für einen Flop, da die Aktivität der Nutzer, gemessen an anderen sozialen Netzwerken, ausgesprochen gering sei. Google selbst gibt keine genauen Zahlen zum Userengagement bekannt – lediglich, dass mittlerweile mehr als 250 Millionen Menschen angemeldet seien, davon 150 Millionen aktiv und immerhin die Hälfte davon täglich präsent. Bei der Bewertung des sozialen Dienstes kann man sich derzeit also kaum auf belegte Fakten stützen, sondern lediglich auf Beobachtungen, Analysen von Dritten und den Prognosen von Branchenbeobachtern.

Abseits der fehlenden Datenbasis für fundierte Erfolgsprognosen bietet Google+ äußerst interessante Features und Verbindungen an – aufgrund attraktiver Funktionen für den geschäftlichen Nutzen gerade auch für Unternehmen:

  • Höheres Suchmaschinen-Ranking: Die Inhalte der Google+ Unternehmensseiten scheinen sukzessive bei der Google-Suche hervorgehoben zu werden, da Google nun auch die sozialen Signale aus dem eigenen Produkt in die allgemeine Seitenbewertung einfließen lassen kann. Kurzum: ein SEO-Vorteil.
  • Virtuell besser zusammenarbeiten: Mit den sogenannten Google Hangouts bietet Google+ eine Kommunikations- und Interaktionsplattform für den Austausch mit Kunden, Partnern oder Mitarbeitern. Die Hangouts ermöglichen ein Desktop-Sharing für Präsentationen, oder um gemeinsam an Projekten und Dokumenten zu arbeiten. Überdies lassen sich kostenlos Video-Livestreams integrieren. Bis zu zehn Teilnehmer können an einer solchen Videokonferenz mitwirken.
  • Mehrwert für Marketing und PR: Google+ erlaubt es, Gruppen nach bestimmten Merkmalen einzuteilen, wie etwa Alter, Region, Kaufvorlieben. Diese Segmentierung erleichtert Marketing- und PR-Abteilungen die zielgruppengerechte Ansprache. Außerdem lässt sich die Plattform zu Marktforschungszwecken nutzen, da sich Umfragen auf einfache Weise durchführen lassen. Das Feature der Gruppensegmentierung nach Merkmalen leistet dazu einen wertvollen Beitrag.
  • Optimierte Seitenverwaltung: Bei Google+ kann mehr als nur eine Person die Inhalte im Namen der Seite veröffentlichen – für den Unternehmensgebrauch ein klarer Vorteil gegenüber den anderen Netzwerken.
  • Integration mit anderen Google-Produkten: Google+ bietet eine vorteilhafte Integration mit anderen konzerneigenen Diensten wie YouTube, Picasa oder Blogger. Zudem verfügt Google mit seinen rund 200 Millionen Google-Mail-Nutzern über ein enormes Potenzial für das soziale Netzwerk.
  • Sinkende Klickkosten für Google Adwords: Die Integration der +1-Funktionen auf Unternehmensseiten verbessert den Qualitätsfaktor für das Anzeigentool Google Adwords, optimiert so die Anzeigenauslieferung und senkt damit die Kosten pro Klick.

Nichtsdestotrotz bleibt das Grundproblem der geringen Useraktivität bestehen. Denn was nutzt der attraktivste Stand auf einer Messe, die nicht besucht wird? Letztendlich stellt sich die Frage, ob Google+ – trotz seiner zahlreichen Innovationen – eine hinreichend große Lücke innerhalb der bestehenden Social-Media-Anbieter findet, um wirklich relevant zu werden. Als kostengünstige Kollaborationsplattform für Unternehmen bietet sich die neue Plattform jedenfalls an. Ebenso als Mediacenter für Video-, Audio- oder andere Inhalte.

Für die B2B-Kommunikation heißt es daher: Unternehmensseiten bei Google+ sind sicher nützlich, jedoch derzeit nicht unabdingbar. Die Reichweite des Netzwerks ist trotz des fulminanten Starts nach wie vor recht überschaubar. Gehören Netznatives und Early Adopter also nicht zu Ihrer maßgeblichen Zielgruppe, müssen Sie auf Google+ (noch?) nicht vertreten sein.